Suchen
         Auf Facebook publizieren    Kontakt aufnehmen    Diese Seite drucken          fr  en  de
logo
Meringue light - Camille von Deschwanden

Sonderausstellung

11.03.2017 - 15.08.2017
Meringue light
Camille von Deschwanden

 

Vom Schaumgebäck zur Traumlandschaft

(...) Die Farbe ist der Ort, wo unser Gehirn und das Weltall sich begegnen.  (...)Paul Cézanne (1839-1909)

Neunhundert Stunden Arbeit liegen hinter der Künstlerin Camille von Deschwanden.  Die vielseitige Plastikerin hat Spitzen gesponnen. Dafür musste sie sich ihre ureigene Technik aneignen, denn sie hat nicht Garn, sondern Glasfasern benutzt.

Entstanden ist ein Gewebe, das mit unterschiedlich grossen  Löchern durchbrochen ist, so dass sich ein faszinierendes Muster ergibt. Ein Gespinst, das am  Ausstellungsort im „Musée gruerien“ in Bulle zu einer begehbaren Landschaft und Klanginstallation  wird, die zum Träumen einlädt.  LED-Lichtquellen offerieren ein breites Spektrum an Farbnuancen in Rot und Blau.

Der Einfluss von Farben auf die menschliche Psyche ist bekannt. „Die Erfahrung lehrt uns, dass die einzelnen Farben besondere Gemütsstimmungen geben“, wusste etwa schon der Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832). Camille von Deschwanden stellt in ihrem Projekt die Wissenschaft in den Dienst der Kunst. Dazu hat die Künstlerin den Neurologen Etienne Pralong beigezogen, der sie über Wach- und Schlafzustände im Zusammenhang mit Farbeinflüssen informiert hat. Der Farb-Rhythmus des Spitzengeflechts interagiert mit dem Klangteppich des japanischen Künstlers Wataru Miykawa. Schon in früheren Projekten hat die Künstlerin mit dem Tokioter Komponisten zusammengearbeitet.

Von Deschwanden verwandelt einen ganzen Saal in eine Traumlandschaft und Forschungsstätte. Die Besucher werden Teil des Kunstwerks. In einer ersten Etappe können Freiwillige an einem neurologischen Experiment teilnehmen: Unter dem Spitzennetz liegend, werden 200 Freiwillige mit einen Shimmer*GSR-System und zwei Elektroden an den Händen ausgestattet. Gemessen wird  während einer Dauer von dreissig Minuten die Leitfähigkeit der Haut, mit dem Ziel zu beobachten, was Farben, Lichtfrequenzen und Klänge in unserem Körper auslösen. Das System ist an einen Computer angeschlossen, auf dessen Bildschirm in Echtzeit die Messungen sowie die Installation angezeigt werden. Die Mitmachenden erhalten im Anschluss an das Experiment einen USB-Stick mit ihren anonym ausgewerteten Resultaten. Die Mitmachenden werden so zu Besitzern einer Visualisierung ihrer Empfindungen.

Langfristig möchte die Künstlerin den Spiess umdrehen und die Kunst der Wissenschaft zur Verfügung stellen. Die Kunst als heilende Kraft: In einem Spital, sei es in der Anästhesie, der Dialyse oder auch der Palliativpflege könnte von Deschwandens Werk sich als nützlich erweisen, indem es beim Einschlafen hilft oder Spannungszustände löst.

Wer von Deschwandens frühere Arbeiten kennt, begreift die Spitzen-Geflechte als Weiterentwicklung ihrer Papierarbeiten und ihrer Experimente mit Schaumgebäck, den „Meringues lumineuses“.  In dem von ihr inszenierten und beleuchteten Meringues erkennt man ähnlich wie bei den Spitzengeflechten „Berge“ und „Täler“  einer realen Landschaft, ebenso sind sie Sehnsuchtsvehikel süsser Träume.

Helen Lagger, Kunsthistorikerin

Agenda